Internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen 2018

Internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen 2018

Femizid beenden – der Gewalt an Frauen ein Gesicht geben

Allein in Deutschland wurden 2016 über 350 Frauen von ihren Lebenspartnern getötet. Stellvetretend für weltweit alle Frauen, die ermordet wurden, weil sie dem weiblischen Geschlecht angehören, erinnern wir an die Hamburgerin Christel Klein. An ihrem Erinnerungsstein im Garten der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof findet am 25.11.2018 um 14.00 Uhr eine Gedenkstunde statt.

Parallel formiert sich am 25.11.2018 von 13.00 – 16.00 Uhr eine Demo an den St. Pauli Landungsbrücken.

Stellvertreterin

Christel Klein – Opfer häuslicher Gewalt – geb. 1939 – ermordet am 6.5.1981 in Hamburg

Acht Monate Flucht vor ihrem gewalttätigen, alkoholabhängigen Ehemann endeten für Christel Klein aus Herten am 6.5.1981 tödlich. Bereits ein Jahr zuvor hatte sie ihn mit ihren drei Töchtern verlassen; nun wollte sie sich scheiden lassen. Nachdem sie in Hamburg zuerst in einem Frauenhaus untergekommen war, startete sie ein neues Leben in einer kleinen Wohnung in Hamburg-Jenfeld.

Obwohl es eine Auskunftssperre gab, spürte ihr Mann sie auf. Da sie nicht weiterhin vor ihm flüchten, sondern ein normales, menschenwürdiges Leben führen wollte, ging sie mit ihren Töchtern nach einem erneuten, kurzen Aufenthalt im Frauenhaus zurück in ihre Wohnung. Eines Nachts drang ihr Ehemann durch ein Fenster in die Wohnung ein und erschoss Christel K. in ihrem Bett aus nächster Nähe mit drei Schüssen aus einem Kleinkaliberrevolver. Jeder Schuss war tödlich. Die Anwesenheit ihres neuen Lebensgefährten und die der drei Töchter, die im Nebenzimmer schliefen, hinderten ihn nicht an seiner Tat.

Der Täter wurde am nächsten Morgen gefasst und kurz vor Weihnachten 1981 zu acht Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung zu 15 Jahren Haft wegen Mordes gefordert. Fünf Jahre später, im September 1986, wurde der Täter wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen. Er zog nach Gelsenkirchen, lernte dort eine Frau kennen, die sich nach wiederholtem Streit von ihm trennte. Daraufhin lauerte er ihr auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle auf. Als sie vor ihm flüchtete, schoss er von hinten mehrmals auf sie und gab dann aus unmittelbarer Nähe einen gezielten tödlichen Schuss auf den Kopf der am Boden liegenden Frau ab. Anschließend erschoss er sich auf einem nahe gelegenen Spielplatz.

Christel K. ist kein Einzelfall. Weltweit und somit auch in Deutschland ist häusliche patriarchale Gewalt die häufigste Ursache für körperliche Verletzungen bei Frauen, häufiger als Verkehrsunfälle und Krebs zusammen. Für Frauen ist das Risiko, durch einen Intimpartner Gewalt zu erfahren, weitaus höher als das, von einem Fremden tätlich angegriffen zu werden.

In Deutschland ist jede vierte Frau betroffen. Dabei spielen Bildung, Einkommen, Alter, soziale Schicht, kultureller oder religiöser Hintergrund kaum eine Rolle. Sie sind keine entscheidenden Ursachen für häusliche Gewalt. Häusliche patriarchale Gewalt gegen Frauen findet in allen Gesellschaftsschichten und Ländern statt und ist unabhängig davon, ob die weiblichen Opfer einen Migrationshintergrund besitzen oder nicht. Das gewalttätige Verhalten von Männern wird, bewusst oder unbewusst, als Mittel zur Ausübung von Macht und Kontrolle in einer patriarchal geprägten Gesellschaft eingesetzt.

 

Wir danken Rita Bake, Garten der Frauen e.V., dass sie uns Text und Bild für diese Aktion zur Verfügung gestellt hat.

Der Garten der Frauen lädt ein:

Sonntag, 25. November 2018 und 14.00 Uhr in den „Garten der Frauen“ nähe Wasserturm
an dem Erinnerungsstein von Christel Klein- ein Opfer patriarchischer Gewalt
zu Ansprache und Vortrag zum Gedenken an Christel K.

www.garten-der-frauen.de

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