Am Montag, den 2. Februar 2026, hat der Landesfrauenrat den Hammonia-Preis für das Jahr 2025 an die Journalistin, Politikerin und Aktivistin Kersten Artus verliehen. Mit der Auszeichnung würdigt Hamburgs größte Frauenlobby ihr jahrzehntelanges, konsequentes Engagement für sexuelle und reproduktive Rechte – und insbesondere ihren unermüdlichen Einsatz für die Abschaffung des § 218 StGB.
Seit mehr als 150 Jahren sind Schwangerschaftsabbrüche im Strafgesetzbuch geregelt und nur unter bestimmten Voraussetzungen straffrei. Kersten Artus gehört zu den zentralen Stimmen in Deutschland, die diese Regelung als Unrecht benennen und ihre Abschaffung fordern – fachlich fundiert, politisch klug und mit großer persönlicher Konsequenz.
Eine Veranstaltung mit starken Stimmen
Die feierliche Preisverleihung wurde begleitet von einem Grußwort der Hamburger Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal, die die Bedeutung des Engagements von Kersten Artus für Gleichstellung, Demokratie und Menschenrechte hervorhob. Ein weiteres bewegendes Zeichen der Solidarität setzte Ärztin Kristina Hänel, die per Videobotschaft Grüße übermittelte. Ihr gemeinsamer Kampf gegen den §219a StGB und für das Recht auf Information über Schwangerschaftsabbrüche verbindet sie mit Kersten Artus seit vielen Jahren. Gemeinsam gründeten sie den Verein Pro Choice Deutschland e.V.
– Maryam Blumenthal, Gleichstellungssenatorin –
Politische Erfahrung, journalistische Schärfe und feministischer Kampfgeist
Kersten Artus war von 2008 bis 2015 Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft für die Partei Die Linke, ab 2011 auch deren Vizepräsidentin. In dieser Zeit setzte sie wichtige Impulse, unter anderem für die Kostenübernahme von Verhütungsmitteln. Als Journalistin bringt sie sich mit großer Expertise, klarer Sprache und strategischem Gespür in gesellschaftliche Debatten ein.
Ehrenamtlich ist sie Vorsitzende von pro familia Hamburg, war Teil des Ethikrats der CarePreg-Studie am UKE und ist Mitinitiatorin des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung. Seit 2009 ist sie Fördermitglied des Landesfrauenrats, außerdem von Beginn an Kuratorin der Regenbogenstiftung.
Solidarität unter Druck – und politischer Erfolg
Aktivist*innen für reproduktive Rechte sind immer wieder massiven Anfeindungen ausgesetzt. Auch Kersten Artus musste sich juristisch gegen fanatische Abtreibungsgegner wehren. Gleichzeitig unterstützte sie Ärztin Kristina Hänel maßgeblich in deren Gerichtsverfahren wegen des damaligen §219a StGB. Artus organisierte die Öffentlichkeits- und Kampagnenarbeit, nutzte ihre Medienerfahrung, ihr Wissen über parlamentarische Prozesse und das Petitionsrecht – und trug so entscheidend dazu bei, gesellschaftliche Mehrheiten sichtbar zu machen.
Der Einsatz zeigte Wirkung: 2022 wurde der §219a StGB abgeschafft – ein wichtiger Erfolg feministischer Bewegungen, erkämpft durch jahrelange solidarische Arbeit.
»150 Jahre sind genug«
Sowohl in der Laudatio als auch in der Rede der Preisträgerin wird deutlich: Der Kampf ist nicht vorbei. Die Frage der körperlichen Selbstbestimmung ist untrennbar mit Demokratie, sozialer Gerechtigkeit und Menschenrechten verbunden. Beide Reden lassen sich hier nachlesen.
Unsere Forderungen bleiben klar
Mit Kersten Artus fordert der Landesfrauenrat Hamburg e.V. – gemeinsam mit Menschen in ganz Deutschland:
Weg mit §218 aus dem Strafgesetzbuch
Schwangerschaftsabbrüche müssen Teil der medizinischen Ausbildung sein
Abbrüche müssen in Krankenhäusern ermöglicht werden
Beratungsstellen brauchen eine ausreichende personelle Ausstattung
Und wir sagen: Wir sind viele – und wir werden mehr.
